Spinnennetz

Wie kommt Ihr Produkt ins Netz?

Digitalisierung/ IoT Implementation

Lesezeit 4 min

Sie möchten Ihr Produkt digitalisieren?  In die Industrie 4.0 bringen? Wir glauben nicht, dass die Technologie die wichtigste Herausforderung ist. Dies aus zwei Gründen. Zuerst weil es sich bei Industrie 4.0 nicht so sehr um eine Revolution sondern eher um eine Evolution handelt. Abgesehen von einigen wenigen Fällen geht es darum, bestehende Technologien geschickt zu kombinieren und nicht darum, neue Technologien zu erfinden. Aus der geschickten Kombination –  geschickt heisst in diesem Zusammenhang, dass sich damit Geld verdienen lässt – folgt der nächste Grund: Das Geschäftsmodell. Dieses sollte zuerst geklärt werden.

In der Implementation sind dann gefragt: schrittweises Vorgehen mit schnellen Entscheiden, effizienten Tests der gewählten Hypothesen am Markt und dann wieder schnelle Reaktionen auf das Marktfeedback. Von der technischen Seite könnte das etwas so aussehen:

Lösungen: erst jetzt kommt die Technologie ins Spiel

Für jeder der Fähigkeiten, die wir den Dingen geben können, gibt es verschiedene technologische Realisationen:

  1. Identifikation: QR, NFC, Bluetooth...
  2. Lokalisierung: GNSS, Beschleunigungssensoren, Indoor Navigation...
  3. Messung: Sensoren für alle physikalischen Grössen, Kameras, Radar...
  4. Speicherung: Flash, Smartphone...
  5. Signalverarbeitung: Mikrocontroller, Signalprozessoren, programmierbare Logik (FPGA), Smartphone...
  6. Betätigung: Leistungselektronik, (Linear-)Antriebe...
  7. Versorgung: Batterie/ Akku, Photovoltaik, Energy Harvesting...
  8. Benutzerschnittstelle: Tasten, LED, Display, Touch, Gesten, Sprache, Smartphone...
  9. Kommunikation: Bluetooth, NFC, USB, Sub-1GHz Funk...
  10. Vernetzung: WLAN, Zellulärfunk, Ethernet...

In den meisten Fällen wird die konkrete Technologie durch nicht-funktionale Anforderungen bestimmt, wie Preis, Stromverbrauch oder den simplen Fakt, dass Smartphones nur gewisse Schnittstellen zur Verfügung stellen. Nutzen Sie für diese Auswahl unsere Erfahrung im Systementwurf für eine optimale Lösung.

Und vergessen Sie nicht, mit der gewählten technologischen Lösung nochmals das Geschäftsmodell zu verifizieren!

Randbedingungen: Sicherheit?!

Sobald ein Ding im Internet der Dinge hängt oder auch nur mit dem Smartphone kommunizieren kann, stellt sich sofort die Sicherheitsfrage, die Frage nach der Datensicherheit und eventuell sogar nach dem Datenschutz. Die Herausforderungen der Cybersicherheit lassen sich lösen, es ist jedoch wichtig, schon von Anfang der Entwicklung an ihre Implikationen im Auge zu behalten.

Dabei sind zwei Arten von Überlegungen wichtig. Zum einen wenn Sicherheit digitalisiert wird. Beispielsweise wenn "physische Schlüssel" einen digitalen Ersatz bekommen sollen, z.B. im Smartphone. Meist dient das dem Komfort des Benutzers. Nur geht dieser davon aus, dass seine komfortable Lösung genau so sicher ist wie die vertraute Lösung. Zum anderen der Schutz der neu erzeugten/ gespeicherten/ transportierten Daten. Z.B. die Übertragung solcher Schlüssel zwischen Benutzern über das Internet.

Diese Sicherheitsüberlegungen haben einen Einfluss auf die technologische Lösung, so sollten z.B. im Gerät kryptographische Schlüssel schnell gerechnet und Zertifikate sicher abgelegt werden können. Sparen können Sie da schon, nur wollen Sie wirklich in den Schlagzeilen stehen? Nach einem Hackerangriff?

Rollende "agile" Planung

Damit alle an der IoT-Implementation Beteiligten am gleichen Strick in die gleiche Richtung ziehen, müssen für jede Phase  klare Absichten, Ziele gesetzt werden: Was wollen wir hier erreichen?

Daraus kann dann eine Planung abgeleitet werden, je langfristiger, je grober. Immer so, dass über die nächsten Aufgaben und deren Verantwortliche bei allen Klarheit besteht während das Gesamtziel nicht aus den Augen verloren wird.

Auch ein Risikomanagment macht sehr viel Sinn, weil die Risikominderung einer der Haupttreiber der Planung von IoT Umsetzungsprojekten sein sollte.

Diese Planung und die Ziele können immer dann angepasst werden, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben, was hoffentlich sehr oft geschieht.

Vorgehen: der Weg ist das Ziel

Da Digitalisierungsprojekte meist mit mehr Unsicherheit behaftet sind als normale Produktentwicklungen, macht es Sinn, einen iterativen Ansatz zu wählen und die potentiellen Benutzer und Kunden, sowohl interne als auch externe früh für Feedback ins Boot zu holen. Wenn Sie mit ihnen nicht schon das Konzept auf dem Papier besprochen haben, dann sollten ausgewählte Nutzer möglichst in diesen nächsten Phasen ihr Feedback zur Lösung geben.

Funktionsmuster/ Rapid Prototypen erlebbar machen

Als erstes empfehlen wir den Aufbau von Funktionsmustern. Davon gibt es zwei Typen, zuerst die, welche dazu dienen, die Technologie zu verifizieren, d.h. die technologischen Risiken zu minimieren. Dann die, die dazu dienen, den Nutzern zu zeigen, was sie erwartet. Dazu, das Produkt und die Dienstleistung erlebbar machen, auch für Stakeholder und Entscheider innerhalb der Organisation. Das kann eine ganz einfache Simulation aus Papier und Karton sein oder ausgefeiltere Werkzeuge nutzen.

Es geht darum die grössten (Markt-)Risiken mit möglichst wenig Aufwand zu testen und die Lösung dann an die Resultate der Tests anzupassen.

Minimum Viable Product (MVP)

In der nächsten Phase wird das Produkt fertig entwickelt, als MVP. Das heisst, es beinhaltet die wichtigsten Funktionen, die Nutzen generieren. Es geht darum, vom Markt, von der praktischen Applikation Feedback zu erhalten. Dann kann die nächste Version angepasst und verbessert werden. Das wichtigste bei der Definition eines MVP ist nicht die Liste was es kann, sondern die Ausschlussliste, was es (noch) nicht kann.

Moderne additive Fabrikationsmethoden erlauben es häufig, erste Serien ohne Werkzeugkosten direkt von den Zeichnungen zu produzieren und auch schnell anzupassen. "Schnell" ist hier das Schlüsselwort: es geht darum zu sehen was geht, schnell zu analysieren was besser wäre und dann eine neue Lösung zu entscheiden und schnell zu implementieren.

Märkte, Kunden, Organisation, Prozesse: Menschen

Das Paradoxe an Digitialisierungsprojekten ist, dass nicht nur eine höhere (Entscheidungs-)Geschwindigkeit und ein Verlassen der Komfortzone gefordert sind, sondern dass viele Lösungen Menschen betreffen, nicht nur Technologien und Produkte. Es werden Änderungen an Märkten und Kunden und noch "schlimmer" an Prozessen, Arbeitsabläufen und Organisation erforderlich.

Wenn Sie auch und manchmal vor allem diese menschlichen Aspekte beachten, dann steht dem Erfolg Ihrer Digitalisierungsprojekte nichts mehr im Weg!

Andreas Stucki

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